swami fete
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anna und martin mit kids berichten aus indien
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das green hotel war mir zu wenig „green“ dafür aber zu teuer. also ab in’s pai vista, ein hotel, das uns eule empfolen hat. es ist tatsächlich nach unserer kinder und meinem geschmack. dachterrasse mit pool, jungelrestaurant mit kellnern im safari-look, sowie w-lan, was zumindest mein heimweh sofort heilte. aber auch die stadt ist schön, viele grosszügige parks, lauschige gewässer, verkehrpolizisten, die ihren namen verdienen. ja meine lieben – ich hätte auch nie gedacht, dass ausgerechnet ich einmal den beruf des verkehspolizisten hochhalten würde.
der palast, so bunt, wie man ihn man ihn sich nicht ausmalen könnte. türen und zargen übersät von elfenbein-intarsien. der thron aus reinem gold, die farbigen glaskuppeln, man kann es sich nicht vorstellen und man darf es nicht fotografieren.
jeden samstag und sonntag erleuchten ihn tausende glühbirnen, ein märchenhafter anblick.
im lalitha mahal palace, dem ehemaligen gästepalast des maharadscha, das mittlerweile von der regierung geführt wird, haben wir uns mit simone verabredet. sie kommt mit christian, einem netten jungen herrn der schon bald ein halbes jahr unterwegs ist, meist mit dem zug. ein totaler kontrast zu dem luxus sind die uniformierten bettler, welche für jeden stuhl oder schirm ein trinkgeld verlangen. gemeinsam leisten wir uns ein taxi auf den chamundi hill. auf dem 1062 hohen berg steht der sri-chamundeswari-tempel. wir verabreden mit dem fahrer, er solle uns am fusse des bergs abholen, wir möchten den pfad heruntersteigen und den 5m hohen nandi (shivas reitbulle) von 1659 bestaunen. zudem ist ein wenig bewegung am abend nicht schlecht für unsere kinder. wir sind gerade rechtzeitig zum sonnenuntergang. serafin hat wahnsinnige bauch- und beinschmerzen, sodass er die steilen treppen hinunter getragen werden muss. in dunkler nacht kommen wir unten an, ich wesentlich geschlauchter als serafin. unser taxifahrer ist nirgends.
safari
und dann sahen wir ihn doch noch – den tiger. beim verbotenen streifzug durch den wald, ohne führer.
die kinder und ich retteten uns auf einen baum, während anna mit dem fotoapparat bewaffnet den tiger schoss.
[quicktime]http://www.warteckpp.ch/thuering/wordpress/wp-content/uploads/2009/02/indien161.mov[/quicktime]ooty
der sommersitz vom maharadscha aus mysore ist bald fertig renoviert, und vor 5 monaten eröffnet worden. eine augenweide. ich hatte das vergnügen, den enkel des letzten „richtigen“ maharadscha kennen zu lernen als er gerade mit michael ludgrove, dem curator der royal collection, eine stippvisite machte. wir plauderten ein wenig über kunst und die schweiz. er gab mir seine visitenkarte und bat mich, ihm meine eindrücke per mail zukommen zu lassen. anna und die kinder haben später drei der 8 fahrer des maharadscha kennen gelernt, die ihnen einiges über den umgang mit „seiner hoheit“ erzählt haben. so dürfen ihn zum beispiel nur ganz enge freunde „shir khan“ nennen.
die unzähligen angestellten stehen hier in keinem verhältnis zu den gästen. wir sind zur zeit die einzigen.
Anna ist beeindruckt
und zwar vor allem vom Leibesumfang des Maharadscha. Der Mann wiegt bestimmt 200 Kilo. Unglaublich finde ich, dass Martin beim Pinkeln neben dem Maharadscha von Mysore stand. Und er hat nicht einmal hinüber geschaut!
Probleme habe ich beim Grüssen – soll ich ihn, wie es seine Fahrer tun, *his Highness“ nennen, oder ganz einfach „hello“ sagen? Heute beim Frühstück blieb ich deshalb stumm, als er neben unserem Tisch stand und einer Phalanx aus Arbeitern, Architekten, Dienern und Leibwächtern erklärte, dass die Kabel unter das Täfer gehören und nicht darüber. Gestern war ich da noch lockerer, und sagte „good evening“, da er mir schon fast wie ein alter Bekannter vorkam, nachdem mir seine Fahrer unzählige Handyfotos gezeigt hatten, auf denen er aussah wie ein fetter Software-Unternehmer aus Bangalore, wie ein trendiger Jetsetter mit pinker Sonnenbrille, oder so wie die Maharadschas früher, angetan mit Seide, Turban und Juwelen, auf dem goldenen Thron sitzend. Dieser sei aus purem Gold und wiege 460 Kilo, erklärten die Fahrer. Weiter zeigten sie mir Fotos von seinen Palästen in Mysore und Bangalore. Was sie nicht erwähnten ist der schon jahrelang dauernde Rechtsstreit zwischen dem Maharadscha und dem Staat Karnataka, den Palast in Mysore betreffend. Der Palast gehöre dem Staat, argumentiert Karnataka. Das kann ich gut nachvollziehen.
Kodai war der Tiefpunkt, wenn auch ein hochgelegener. Eigentlich war das Bergkaff gar nicht auf der Reiseroute, doch ich habe mich nach dem lauten und heissen Madurai von der geschönten Beschreibung des Reiseführers (Lonely Planet, wer hat ihn nicht?) verlocken lassen. Doch auch Kodai ist Indien, laut, dreckig, stinkig, abgefuckt. Die Inder schaffen es nicht, irgend etwas Schönes zu bauen, denke ich böse. Tempel, Paläste für Maharadschas, das war früher, heute ist der Standard wüst und billig, planlos und geschmacklos, Kanalisation und Müllabfuhr scheinen weitgehend unbekannt. Zu allem Elend will jeder Inder Auto fahren, und so wird es noch lauter, dreckiger, stinkiger. Die Ignoranz der Leute geht mir auf den Senkel, die fetten Reichen, die zu vielen Armen. Es sind so viele, dass es mir zunehmend schwer fällt, noch Mitleid zu empfinden. Stattdessen wächst die Wut – zum Beispiel auf korrupte Politiker, die das Land verkommen lassen und das meiste Geld, das für das Gemeinwohl bereitgestellt wird, in die eigene Tasche stecken. Es wächst die Wut auf eine Politik, die es nicht schafft, Bildung für alle durchzusetzen, und das Bevölkerungswachstum in den Griff zu bekommen. Auf unfähige oder korrupte Stadtplaner und Bauunternehmer, auf die nervigen Händler, die einen die ganze Zeit bequatschen, und sogar auf die Armen, die sich nicht wehren. Last but not least auf die wunderschönen Tempel, die mit ihrem ganzen Brimborium nichts anderes sind als Opium für’s Volk.
„I love India“, sagte der fette Kanadier, unser Tischnachbar im Garten des „Taj Garden Retreat“, in dem wir für ein Nachtessen lang den Abgasen und dem Lärm der Tempelstadt Madurai entkommen konnten. Im „Taj“ lässt sich das koloniale Indien zelebrieren, als wäre die Bevölkerung seit der Unabhängigkeit nicht um das dreifache gewachsen, die Müllberge ins Unermessliche und die Armut ins Unerträgliche – und das sogar im angeblich bestregierten Staat Tamil Nadu. Der Kanadier liebt Indien, denn er reist von einem Luxushotel ins nächste im klimatisierten Bus, Tempelführungen und Palastbesichtigungen wechseln sich ab mit einer hervorragenden Speisekarte.
Und jetzt sitzen wir in Ooty selber in einem ehemaligen Sommerpalast des Maharadschas von Mysore und Indien ist wieder schwer in Ordnung.